10. – 13. Schuljahr

Andreas Wüste

Der Showdown der Brexit-Entscheidung

Eine Verhandlung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union

Ende März 2017 überreichte Großbritannien der Europäischen Union den offiziellen Antrag, nachdem die Briten im Juni des Vorjahres für einen Austritt aus der EU gestimmt hatten. Mit dem sogenannten Brexit betritt die EU seitdem absolutes Neuland und steht aktuell in den Verhandlungen über die Austrittsmodalitäten.
Das Unterrichtsvorhaben knüpft an die inhaltlichen Schwerpunkte „Strategien und Maßnahmen europäischer Krisenbewältigung und „Europäischer Binnenmarkt an. Hier geht es primär um das Verhältnis des Austrittslandes Großbritannien zur Europäischen Union unter der Leitfrage, welche Auswirkungen der Brexit für das Land und für die EU derzeit schon hat bzw. zukünftig haben wird.
Indem die Schülerinnen und Schüler Textmaterialien akteurs- und kriterienbezogen untersuchen und auswerten, erweitern sie ihre Fähigkeiten, politische Prozesse in der EU im Hinblick auf regionale und nationale Interessen sowie das Ideal eines europäischen Gesamtinteresses zu verstehen und zu beurteilen.
Entscheidungen verhandeln und beurteilen Überblick
Die Inhalte der einzelnen Unterrichtsstunden verteilen sich auf drei Phasen. Phase I dient als problemorientierter Einstieg und umfasst vor allem die Rekapitulation der Beziehung Großbritanniens zur Europäischen Union (Arbeitsblätter1 und 2). Unter dem Motto „Der Brexit raus, aber wie? werden in Phase II zentrale Entscheidungen zum Brexit verhandelt. In Phase III kommt es zur abschließenden Urteilsbildung unter der Leitfrage „Unter welchen Entscheidungsbedingungen sollte Großbritannien in der Europäischen Union bleiben oder austreten? Im Anschluss an die Auswertung bietet sich z.B. an, die im Frühjahr 2017 debattierten fünf Szenarien der EU-Kommission aufzugreifen.
Entscheidungen mit Textmaterial vorbereiten
Bei der Vorbereitung zur Verhandlung arbeiten die Schülerinnen und Schüler in Teams zusammen. Zentrale Unterrichtsbestandteile in der Vorbereitung sind positionale Texte und Berichte zur aktuellen Debatte um die bevorstehenden Brexit-Verhandlungen. Die Positionen für die Verhandlungen werden mithilfe von Rollenkarten vorbereitet Arbeitsblätter 36. Die Materialien greifen wesentliche Argumentationslinien von vier wichtigen Akteurinnen und Akteuren auf. In der fiktiven Verhandlungsrunde handelt es sich um die britische Premierministerin Theresa May (Arbeitsblatt3), um den britischen Brexit-Minister David Davis (Arbeitsblatt4), um den Präsidenten der EU-Kommission Jean-Claude Juncker (Arbeitsblatt5) und um den Brexit-Chefunterhändler der EU-Kommission Michel Barnier (Arbeitsblatt6).
Die Zusammenstellung der kontroversen Diskussionslinien kann selbstverständlich nicht auf die Vollständigkeit aller Informationen abzielen. Sie wurden im Hinblick auf die Verhandlung ausgesucht im weiten Sinn des exemplarischen Lernens: „Exemplarisches Lernen hält [] eine Antwort darauf bereit, dass die Halbwertzeit von Wissen in den letzten Jahren und Jahrzehnten rasant gesunken ist. Deshalb sollte mit Fällen, die an individuelle Erfahrungen anknüpfen, implizit Allgemeines zu Tage gefördert werden, das sich in Kategorien, Prinzipien oder Regelmäßigkeiten ausdrückt (Engartner 2010, S. 88).
Das gilt natürlich auch für Einzelaspekte einer Brexit-Entscheidung. So werden vor allem die relevanten innerbritischen und innereuropäischen Konfliktlinien aufgegriffen, Teilaspekte wie z.B. genauere Hintergründe zu den Unabhängigkeitsbestrebungen Schottlands jedoch nicht vertiefend, sondern eher am Rande thematisiert. Die Materialien wurden unter den Gesichtspunkten Problemorientierung und Aktualität ausgewählt: Vor allem die aktuellen Bezüge und die Grundidee der Kontroversität sind zentrale Gesichtspunkte im Unterrichtsvorhaben. Bei der Auswahl wurde zudem besonders auf die reale Vielfalt der sich zum Teil deutlich unterscheidenden Grundhaltungen zu...

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