10. – 13. Schuljahr

Jan-MArtin Geiger/Andreas Liening/Maximilian Schimanski

Ein Markt unter Strom

Deutsche Automobilhersteller und die Entscheidung für Elektromobilität

Ob auf der Schiene oder auf der Straße: Elektromobilität gilt als ein wesentlicher Hoffnungsträger für die Bewältigung der Energiewende. So lag im Jahr 2015 der Anteil des Verkehrssektors an den gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland bei ca. 18% (Umweltbundesamt, 2016). Durch die Verlagerung der Antriebstechnologie von Verbrennungsmotoren hin zu Elektroantrieben soll es gelingen, eine Abkehr von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas zu erreichen und damit nicht nur natürliche Ressourcen zu schonen, sondern letztlich auch die Emission von klima- und gesundheitsschädlichen Treibhausgasen deutlich zu reduzieren.
Der Schritt in Richtung Energiewende kann letztendlich aber nur dann gelingen, wenn Unternehmen sich auch tatsächlich dazu entscheiden, vermehrt in Elektromobilität zu investieren und innovative Lösungen zu entwickeln. Schließlich bauen weder die Politik noch die Verbraucher selbst ein Elektroauto. Dennoch setzen die hiesigen Automobilhersteller zu einem Großteil weiterhin auf die Entwicklung von konventionellen Antriebstechniken. Dabei stellt sich die Frage, welche Aspekte in den unternehmerischen Entscheidungsprozessen im Allgemeinen sowie speziell im Fall der Elektromobilität einfließen.
Die Unterrichtseinheit thematisiert den unternehmerischen Entscheidungsprozess im Wesentlichen aus zwei Perspektiven: Die unternehmerisch/betriebswirtschaftliche Sichtweise bietet Ansatzpunkte wie Angebot und Nachfrage, Rentabilität und Opportunitätskosten. Unternehmen verantworten in ihren Entscheidungen primär rechtliche und monetäre Aspekte, die Erfüllung einer gesellschaftlich erwarteten Verantwortung muss zusätzlich betrachtet werden (vgl. Loerwald/Stemmann 2012). Der politische Blickwinkel befasst sich hingegen mit der Frage, inwiefern unternehmerisches Verhalten in eine gewünschte Richtung gelenkt werden kann, indem Anreize durch z.B. Subventionen gesetzt werden (vgl. May, 2008).
Die Materialien im Unterricht
Arbeitsblatt1 beleuchtet „Für und „Wider von Elektromobilität aus den Sichtweisen von Verbrauchern, Herstellern und politischen Akteuren. Mithilfe des Informationstextes erarbeiten die Schülerinnen und Schüler in Partnerarbeit Argumente aus einer der genannten Perspektiven. Die Stichpunkte werden im Plenum diskutiert und als Tafelbild festgehalten. In diesem Kontext sollen auch potenziell unbekannte Fachbegriffe oder Inhalte aufgegriffen und mit Unterstützung der Lehrperson erarbeitet werden (Kasten).
In Arbeitsblatt 2 nehmen die Schülerinnen und Schüler mit Arbeitsschritt 1 eine betriebswirtschaftliche Perspektive ein, indem sie aus dem Informationsteil variable Kosten für verschiedene Automobilbestandteile in einer kurzen Kostenrechnung schriftlich zusammentragen. Da für eine „einfache Deckungsbeitragsrechnung ausschließlich die variablen Kosten relevant sind, werden fixe Kosten an dieser Stelle vernachlässigt. Diese würden z. B. im Rahmen einer weiterführenden Break-Even-Analyse Berücksichtigung finden.
Deutlich wird in diesem Arbeitsschritt, dass die Herstellung verschiedener Produkte mit unterschiedlich hohen Aufwendungen verbunden ist. Die Herstellkosten (als Herstellkosten wird die Summe aus Fertigungs- und Materialkosten verstanden) bilden gemeinsam mit der erwarteten Absatzmenge und dem Verkaufspreis die Grundlage der Deckungsbeitragsrechnung im zweiten Arbeitsschritt (hier müssen ggf. Begrifflichkeiten geklärt werden). Anhand der Deckungsbeiträge nehmen die Schülerinnen und Schüler eine Priorisierung der verschiedenen Automobiltypen vor. Auf diese Weise lernen sie, dass unternehmerisches Entscheiden mit Verzicht einhergeht (nicht realisierte Alternativen), da nur bestimmte Kapazitäten zur Verfügung stehen. Im dritten Arbeitsschritt werden die Auswirkungen staatlichen Handelns auf unternehmerische...

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