5. – 13. Schuljahr

CARLOS ALÓS-FERRER

Entscheiden aus (mikro-)ökonomischer Perspektive

Präferenz, Konsistenz, Nutzen

Vom wöchentlichen Supermarkteinkauf bis zur Wahl des lang ersehnten Eigenheims, von der Gestaltung der Freizeit bis zur Planung vermögensaufbauender Investitionen, das Leben ist voller Entscheidungen. Aber wie entscheiden Menschen, und wie sollten sie entscheiden? Die Entscheidungstheorie ist jene wissenschaftliche Disziplin, die sich mit den Grundlagen menschlicher Entscheidungen beschäftigt. Als solche wird sie meistens als Teil der Mikroökonomie gesehen, also jenem Teil der Volkswirtschaftslehre, der sich auf individuelle Agenten und deren ökonomische Interaktionen konzentriert. Sie weist aber klare Beziehungen zur Psychologie und Mathematik auf.
In der Entscheidungstheorie wird zwischen drei verschiedenen Ebenen unterschieden. Normativ: Man versucht, allgemeine Verhaltensprinzipien zu identifizieren, die rationalem Handeln entsprechen. Deskriptiv: Man versucht zu sehen, wie Menschen (die oft nicht ganz rational agieren) sich von diesen Prinzipien entfernen. Und letztens präskriptiv: man untersucht, welche Verhaltensprinzipien gelten sollten, damit gute Entscheidungen getroffen werden können.
Präferenzen und WARP
Das Grundmodell der Mikroökonomie basiert auf sogenannten Präferenzen (siehe z.B. Mas-Colell/Whinston/Green 1995). Eine Präferenz ist ein mathematisches Konzept, eine binäre Relation, die die möglichen Entscheidungen eines Individuums kodiert. Genauer gesagt, ist eine Präferenz eine Liste von (hypothetischen) Entscheidungen zwischen je zwei Alternativen. Angenommen, ein Agent hat die Wahl zwischen den Alternativen a und b. Wenn der Agent a gegenüber b bevorzugt, schreiben wir ab, wenn er b gegenüber a bevorzugt schreiben wir ba, und wenn er indifferent zwischen a und b ist, schreiben wir ab (letzteres bedeutet dann, dass sowohl ab als auch ba gelten). Weiter schreibt man ab (gelesen: a ist gegenüber b streng bevorzugt) wenn ab gilt, aber ba nicht gilt, also der Agent nicht indifferent ist. Wenn ein Agent also mindestens so gerne nach Spanien wie nach Schweden in den Urlaub fährt, schreiben wir SpanienSchweden.
Präferenzen sollen zwei Eigenschaften erfüllen, Vollständigkeit und Transitivität. Vollständigkeit besagt, dass für je zwei mögliche Alternativen immer eine Rangordnung existiert, d.h., wenn a, b mögliche Alternativen sind, dann gilt entweder ab oder ba (oder beides). Transitivität besagt, dass wenn a gegenüber b bevorzugt wird, und b gegenüber c bevorzugt wird, dann muss a auch gegenüber c bevorzugt werden. Also wenn abc, dann muss auch ac gelten.
Jede Entscheidungssituation entspricht einer Menge von Alternativen, aus der man wählen kann, und endet mit der Wahl einer solchen Alternative. Formal geht es also darum, aus Entscheidungsmengen eine (oder mehrere) Alternativen auszuwählen, die man als die beste(n) betrachtet und wählen möchte. Sei A eine solche Entscheidungsmenge und C(A) die Untermenge von A, die diese „besten Alternativen enthält. Dass Entscheidungen aus Präferenzen resultieren, bedeutet, dass Agenten aus Menge A die besten Alternativen nach der Präferenzordnung wählen. Formal: aC(A), also a ist ein Element der Menge C(A), dann und nur dann, wenn ab für alle b A. In anderen Worten, Menschen sind (so die Mikroökonomie) Präferenzmaximierer. Ein typisches Beispiel sind Ausgabenentscheidungen. Nehmen wir an, die Preise aller verfügbaren Produkte (sei es im Supermarkt, an der Börse, oder woanders) stehen fest und wir betrachten auch ein festes Budget, welches wir dafür ausgeben können. Somit entsteht eine Budgetmenge, d.h. die Menge aller Güterbündel, die wir uns leisten können. Wenn die Preise oder das Budget sich ändern, entstehen andere Budgetmengen. Wenn aus einer dieser Budgetmengen A der Konsument Güterbündel a am liebsten kaufen würde, schreibt man C(A)={a}, und die mikroökonomische Annahme ist dann, dass a die Präferenzen in der...

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