5. – 13. Schuljahr

Vera Kirchner/Monika Oberle

Entscheiden im Politik- und/oder Wirtschaftsunterricht

Die Kaufentscheidung im Supermarkt oder die Wahlentscheidung an der Urne Entscheidungen sind zentraler Bestandteil politischen und ökonomischen Handelns und in der sogenannten Multioptionsgesellschaft eine gewachsene Herausforderung. Dies gilt nicht zuletzt für Kinder und
Jugendliche. Die Fragen, wie Entscheidungen unter bestimmten Zielvorstellungen am sinnvollsten getroffen werden sollten und wie sie sich in der Realität vollziehen, beschäftigen Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft wie auch politische und ökonomische Bildung. Dabei sind individuelle Entscheidungen als Grundlage des eigenen Handelns von solchen zu unterscheiden, die kollektiv getroffen werden
und auf formalen Entscheidungsregeln basieren.
Individuelle und kollektive Entscheidungen wie auch politisches und ökonomisches Entscheiden hängen auf vielfältige Weise zusammen. Kriteriengeleitet ökonomische Entscheidungen treffen und analysieren zu können, ist ein Ziel ökonomischer Bildung, das sich auch in Kompetenzmodellen für die allgemeinbildende Schule wiederfindet (z.B. DeGÖB 2009, Seeber et al. 2012). Systematisieren lassen sich ökonomische Entscheidungen u.a. nach Akteursperspektiven und Entscheidungsebenen.
So sollen Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt werden, als Berufswähler/in und später als Arbeitnehmer/in oder Arbeitgeber/in wie auch in Produktions- und Konsumsituationen angemessene und verantwortliche Entscheidungen zu treffen. Für die Mündigkeit von Kindern und Jugendlichen kann die ökonomische Bildung einen fachspezifischen Beitrag leisten, indem in Handlungssituationen Nutzen und Kosten aller Beteiligten (wichtig ist hier auch der Perspektivwechsel) analysiert und rationalen Entscheidungen zugrunde gelegt werden. Spezifisch ökonomische Konzepte, wie beispielsweise das der Opportunitätskosten (Verzichtskosten), ermöglichen eine ökonomische Entscheidungsfindung, die das Hinzuziehen weiterer politischer, ethischer oder ökologischer Aspekte jedoch nicht ausschließt. Hierbei gilt es, modelltheoretische Überlegungen im Sinne von Heuristiken von tatsächlichem ökonomischen Handeln zu unterscheiden und diesen Unterschied auch im Unterricht deutlich zu machen.
Politische Bildung interessiert sich insbesondere für Entscheidungen auf gesellschaftlicher Ebene als Akt zur Herstellung allgemeinverbindlicher Regelungen (Massing 2012). Als solches ist Entscheiden eine zentrale Phase bzw. Form politischen Handelns. Zugleich ist die Fähigkeit, Entscheidungen analysieren, treffen bzw. zielführend an ihnen mitwirken zu können, ein wichtiger Bestandteil politischer Kompetenz. So entwirft ein aktuelles Modell der Politikkompetenz (Detjen et al. 2012) a) Entscheidung als eines von drei Basiskonzepten und damit als zentrales Element politischen Wissens und b) Entscheiden als eine Facette politischer Handlungskompetenz (neben Artikulieren, Argumentieren, Verhandeln).
Idealtypisch lassen sich Wege der kollektiven Entscheidungsfindung in hierarchisch strukturierte, Mehrheitsentscheide und Konsenslösungen unterscheiden (Brunold 2012). Zentrale Kategorien der Bewertung politischer Entscheidungsregeln sind deren legitimitätsstiftende Kraft und Effizienz. Beides versucht, die Mehrheitsregel zu verbinden, was allerdings voraussetzungsvoll ist. So sind u.a. der Schutz von Minderheitenrechten und die Gewährleistung der Möglichkeit, Mehrheit werden zu können, erforderlich, sonst droht eine „Tyrannei der Mehrheit (Tocqueville). Politikunterricht will Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzen, politische Entscheidungsregeln und -prozesse kriteriengeleitet analysieren und bewerten und sich aktiv an politischen Entscheidungen beteiligen zu können.
Die beiden Basisartikel in diesem Heft behandeln „Entscheiden aus fachwissenschaftlicher Sicht: Helmar Schöne und Carlos Alós-Ferrer geben einen Überblick, was Entscheiden aus (u.a....

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