9. – 13. Schuljahr

Markus Allbauer

Zahl, was Du willst, nicht, was Du musst!

Das Pay-what-you-want-Prinzip als Herausforderung für Verbraucherinnen und Verbraucher

Was passiert, wenn Konsumentinnen und Konsumenten völlig frei darüber entscheiden können, was sie für das Produkt ihrer Wahl zahlen? Die utilitaristische Konsumlogik neoklassischer Prägung hat auf diese Frage eine einfache Antwort: Verbraucherinnen und Verbraucher wählen immer diejenige Alternative, welche ihren Konsumnutzen maximiert. Jeder Preis größer Null würde den Nettonutzen eines Produktes reduzieren. Empirische Belege zur Bestätigung dieser Hypothese gibt es nicht im Gegenteil: Verhaltensökonomische und experimentelle Studien kommen zwar in Abhängigkeit der untersuchten Entscheidungssituation zu unterschiedlichen Ergebnissen, in einem Punkt sind sie sich jedoch einig: Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen mehrheitlich für eine erbrachte Leistung, auch wenn sie nicht müssten (vgl. Kim et al. 2009, S.46).
Pay-What-You-Want bezeichnet ein Prinzip partizipativer Preisfindung, in dem Käuferinnen und Käufer frei über den Kaufpreis entscheiden können. Eine Käuferin kann einen beliebigen Preis größer oder gleich Null festlegen, und der Verkäufer erklärt sich bereit, jeden Preis zu akzeptieren. Insbesondere in der Gastronomie und im Veranstaltungsbereich erfreut sich das Pay-What-You-Want-Prinzip in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit. So bietet ein Restaurant in Frankfurt beispielsweise seit einigen Jahren erfolgreich einen Mittagstisch an, der seine Gäste auffordert, sich ihre Rechnung selbst zu schreiben (Arbeitsblatt2). Konzerte und Festivals locken Besucherinnen und Besucher mit der Aussicht auf freie Wahl des Eintrittspreises. Und im Internet boomen Angebote, die Musikalben oder eBooks mit einer individuell wählbaren Bezahloption ausstatten, statt auf Kopierschutz zu setzen.
Pay-what-you-want ist als Zahlungsmethode also weit verbreitet und wir werden in verschiedenen Situationen damit konfrontiert, dass wir Produkte und Dienstleistungen „gegen Spende erwerben können. Auf Veranstaltungen von Sportvereinen oder auf Kulturveranstaltungen werden wir aufgefordert, einen Beitrag zu leisten, den wir der erbrachten Leistung gegenüber als angemessen empfinden. Diese Leistung kann eine Tasse Kaffee sein, ein Kursangebot oder ein Theaterstück. Allerdings ist die Bezeichnung als „Spende problematisch, da es sich dabei im ökonomischen wie auch im steuerrechtlichen Sinn um eine Transferleistung handelt, welcher keine Gegenleistung gegenübersteht. Aus Konsumentensicht erschwert der Sprachgebrauch die Beurteilung solcher Situationen, zumal Spenden eine Gemeinnützigkeit implizieren, die nicht in allen Entscheidungssituationen gegeben ist. Die richtige Einschätzung der vorgefundenen Situation und damit die Differenzierung zwischen Vergütung einer Leistung und Spende an eine Organisation ist einerseits Voraussetzung für eine bewusste Konsumentscheidung und andererseits Entscheidungsgrundlage für die Höhe des Beitrags.
Es bestehen deutliche Unterschiede in den Spielregeln, nach denen Konsumentinnen und Konsumenten den Preis festlegen können: Neben dem Prinzip Pay-what-you-want, welches in seiner Reinform weder Einschränkungen noch Vorgaben bei der Preiswahl macht, setzen andere Modelle beispielsweise auf Referenzwerte oder Preisschranken. Ein Referenzwert gibt der Konsumentin Orientierung, indem der Anbieter einen Preis vorschlägt oder historische (Durchschnitts-)Werte angegeben werden: Der Eintritt zu einem Konzert kostet dann zwischen 6 und 10 Euro, die Limo an der Theke sollte mindestens mit einem Euro vergütet werden. Im Gegensatz zu Pay-what-you-want wird in der Fachliteratur vom Name-your-own-price-Prinzip gesprochen, wenn sich der Anbieter vorbehält, Beträge abzulehnen, die außerhalb des vorgegebenen Rahmens liegen (vgl. Kim et al. 2009). Dieser Unterschied ist aus Internetauktionen mit (oder ohne) Mindestpreis bekannt.
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