5. – 13. Schuljahr

Vera Kirchner, Dirk Loerwald

Bildung zur Selbstständigkeit

Existenzgründung im Unterricht aus fachdidaktischer Perspektive

Eine erfolgreiche Marktwirtschaft basiert auf innovativen Ideen, die sich an den Präferenzen von Nachfragern orientieren und die sich unternehmerisch realisieren lassen. Der Wettbewerb in einer freiheitlich verfassten Marktwirtschaft ermöglicht nicht nur die ökonomische Umsetzung von Innovationen, sondern bietet darüber hinaus auch Anreize für innovatives Handeln. In der heutigen Wirtschafts- und Arbeitswelt gewinnen insbesondere in wissensbasierten Volkswirtschaften Kompetenzen wie Kreativität, Risikobereitschaft, Verantwortung und vor allem Selbständigkeit zunehmend an Bedeutung.
Die Selbstständigkeit von Kindern und Jugendlichen ist spätestens seit dem Zeitalter der Aufklärung auch ein zentrales Bildungsziel an deutschen Schulen. Die Befähigung zu individueller Selbstbestimmung ist eine Voraussetzung für Mündigkeit, denn mündig handeln können nur diejenigen, die in der Lage sind, ihren eigenen Verstand zu nutzen. Zur Annäherung an dieses Bildungsziel gelten Lernprozesse als besonders erfolgversprechend, in denen die Schülerinnen und Schüler selbsttätig, selbstorganisiert und selbstbestimmt Lernen können, so dass sie Einfluss darauf haben, wie, was und auf welches Ziel hin gelernt wird.
Eigene Gründungsvorhaben in Schulen eröffnen vielfältige Möglichkeiten, selbstständiges Denken und Handeln zu fördern. Es geht ja in einer Schülerfirma gerade darum, die berufliche Selbstständigkeit eigenaktiv zu erproben. Und auch die Auseinandersetzung mit Geschäftsideen und Gründungsprozessen anderer Gründerinnen und Gründer kann hier einen Beitrag leisten, indem Chancen und Risiken von Selbstständigkeit aufgezeigt werden. Dies sind berufliche Möglichkeiten, die Kindern und Jugendlichen häufig nur dann bekannt sind, wenn die eigenen Eltern selbstständig sind. Damit trägt Entrepreneurship Education auch zur Berufs- und Studienorientierung bei, die sich nicht auf eine Vorbereitung auf die abhängige Beschäftigung beschränken, sondern Einblick in verschiedene Erwerbsformen ermöglichen sollte.
„Entrepreneurship Education wird heute sowohl national wie auch international als eine zentrale bildungspolitische Aufgabe angesehen. Verschiedene Initiativen belegen, dass auf Bundes- und Landesebene ein gesteigertes (bildungs-)politisches Interesse an der Förderung von Entrepreneurship besteht. Dies wird unter anderem ökonomisch begründet: Weil das Wirtschaftswachstum in den Volkswirtschaften Europas auf eine zunehmende unternehmerische Initiative angewiesen ist, sollen Bildungsprozesse unter anderem einen Beitrag zur Herausbildung von Unternehmergeist (entrepreneurial spirit) leisten.
Letztlich ist Entrepreneurship Education aber kein ökonomisches Phänomen, sondern ein Teilbereich ökonomischer Allgemeinbildung, der einen Beitrag zur Mündigkeit von Kindern und Jugendlichen zu leisten hat. Das Leitbild der Entrepreneurship Education ist dementsprechend der mündige Entrepreneur, der in der Lage ist, in unternehmerischen Kontexten selbstständig und sozial verantwortet zu handeln (ausführlich Kirchner/Loerwald 2014a, S. 20).
Auch wenn das Themenfeld „berufliche Selbstständigkeit und Entrepreneurship nur sehr selten in Lehrplänen verankert ist, gelangt es zunehmend über die zahlreichen Schülerfirmen „Bottom-up in die Schulen. Solche Schülerfirmenprojekte werden in der Regel extracurricular und jahrgangsübergreifend realisiert. Das Spektrum ist dabei recht groß: von Produkten bis Dienstleistungen, von analog bis digital, von rein gewinnorientierten Unternehmen bis hin zu nachhaltigen und sozialen Gründungsvorhaben. Zahlreiche Initiativen bieten den Schulen Unterstützung bei der Realisierung an. Allein das BMWi-Programm „Unternehmergeist in die Schulen verweist im Internet auf 30 Initiativen, die sich mit Existenzgründungen in Schulen befassen. Viele Schulen gehen hier aber auch ihren eigenen...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen