9. – 13. Schuljahr

Tina Fletemeyer, Stephanie Lutze

Deine Zukunft im Chefsessel?!

Existenzgründung als mögliche berufliche Option

Trotz einer in den letzten Jahren vermehrt fokussierten Förderung von möglichen Existenzgründungen ist das Gründungsniveau in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern eher gering (vgl. Sternberg/Bloh 2017, S. 16). Dies ist u.a. darauf zurückzuführen, dass Risiken mit einer Existenzgründung assoziiert werden (vgl. ebd.). Dementsprechend liegt die Vermutung nahe, dass die Bereitschaft zur Gründung eng mit der Einschätzung der eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten in Verbindung steht.
Berufliche Orientierung in der Schule
Genau an dieser Stelle kann die von der Schule angebahnte Berufliche Orientierung die Schülerinnen und Schüler bereits im Berufswahlprozess sensibilisieren. Dabei entsteht der Eindruck, dass bislang vor allem die Perspektive eines abhängigen Arbeitsverhältnisses im Unterricht thematisiert wird.
Durch eine frühzeitige Konfrontation mit der Berufs- und Arbeitswelt sollte neben dem abhängigen Arbeitsverhältnis auch die Existenzgründung als berufliche Handlungsoption angesprochen werden, da die Qualifikationen bzw. Kompetenzen, die mit der Existenzgründung verbunden sind mittlerweile auch im abhängigen Arbeitsverhältnis gefordert werden (vgl. Jung 2012, S. 14).
Neben psychologischen und physischen Merkmalen werden im Bereich der schulischen Basiskenntnisse u.a. wirtschaftliche Grundkenntnisse vorausgesetzt, die neben weiteren Merkmalen auch „das wirtschaftliche Ziel unternehmerischen Handelns (Bundesagentur für Arbeit 2006, S. 30) beinhaltet.
Existenzgründung als mögliche berufliche Option kann, neben einer bislang stark fokussierten Perspektive der abhängigen Beschäftigung, in der Schule unter anderem mit Hilfe der „Entrepreneurship Education thematisiert werden. Als generelle Bildungsziele der Entrepreneurship Education gelten, neben der klar formulierten unternehmerischen Kompetenz, auch die „Förderung einer Kultur der Mündigkeit, Autonomie, Eigenverantwortung und Solidarität (Aff/Lindner 2005, S. 100) sowie die „Förderung eines unternehmerischen Geistes als wirtschaftspolitisches Ziel, Orientierung in der Berufs- und Arbeitswelt und Förderung persönlicher Selbstständigkeit (Weber 2011, S. 185f.).
Eine solche „Orientierung in der Berufs- und Arbeitswelt richtet sich als Zielformulierung klar an das Feld der Beruflichen Orientierung. Durch ihre Zielsetzung kann die Entrepreneurship Education neben der Fokussierung der Perspektive einer unabhängigen Beschäftigung auch eine große Bedeutung für das Abwägen von Alternativen einnehmen (vgl. hierzu z.B. Jung 2012, S. 20f.).
Der Orientierungsprozess, den Schulen und Lehrende in der Regel begleiten sollen, kann auf diese Art und Weise maßgeblich unterstützt werden. Wegweisend hierfür sollte jedoch sein, dass eine fortwährende Balance zwischen den Darstellungen von möglichen Berufsoptionen sei es eine abhängige oder unabhängige Beschäftigung gehalten wird. Die Förderung und das Einschätzen individueller Kompetenzen und Fähigkeiten, bezogen auf mögliche Berufsoptionen, erhalten in diesem Abwägungsprozess der Beruflichen Orientierung eine Schlüsselposition. Auch können sie den Weg in die berufliche Selbstbestimmung entscheidend beeinflussen.
Das Material im Unterricht
Mithilfe des Materials wird ein Vergleich zwischen dem ab- und unabhängigen Arbeitsverhältnis vorgenommen, welcher diskutiert und reflektiert wird. Hierbei sollen Fragen aufgegriffen und diskutiert werden, die sich mit den personellen Voraussetzungen einer Existenzgründung befassen. Im Fokus stehen insbesondere die Gründungsmotive (Push- und Pull-Faktoren) sowie die Handlungsfähigkeiten potenzieller Gründerinnen und Gründer.
Die Schülerinnen und Schüler werden mithilfe von M1 in das Szenario eines Familiengesprächs einer vierköpfigen Familie versetzt, in dem es um die mögliche berufliche Verwirklichung des Sohnes und der Tochter geht. Die...

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