5. – 13. Schuljahr

Ewald Mittelstädt, Claudia Wiepcke

Innovativ denken kreativ handeln

Mit Design Thinking Kompetenzen für kreatives und wertschöpfendes Arbeiten lernen

Die deutsche UNESCO-Kommission formulierte 1997 (S. 40): „Vor unseren Augen entsteht eine turbulente und sich wandelnde Welt. Bildung muss jedem helfen, Bürger dieser Welt zu werden. Dazu gehört laut UNESCO-Kommission (ebd. S. 73) als eine von vier Säulen das Prinzip: „Lernen, zu handeln, um in der Lage zu sein, im eigenen Umfeld kreativ arbeiten zu können. Doch wie funktioniert kreatives Arbeiten in einer Welt, die ungewiss ist? Und wie können diese Fähigkeiten entwickelt werden?
Die Innovationsforscherinnen um Johansson-Sköldberg (2013) zeigen in einer umfassenden Literaturstudie, dass eine Antwort darauf in der Wirtschaft seit den 2000er-Jahren zunehmend im Phänomen „Design Thinking gesehen wird. Designerinnen und Designer verkörpern den Idealtypus eines Menschen, der in der Lage ist, unter Ungewissheit kreativ zu arbeiten.
Im vorliegenden Beitrag wird erörtert, wie in der Design-Disziplin aus Sicht des Innovationsmanagement gedacht und gehandelt wird. Zum Abschluss werden Hinweise zur Umsetzung in der Schule gegeben.
Design Thinking als Heuristik
In der Theorie finden sich vier Hauptansätze, die Design Thinking als Schöpfung von Artefakten (Simon 1969), reflexive Praxis (Schön 1983), Problemlösung (Rittel/Webber 1973) und Sinnstiftung (Krippendorff 2006) definieren.
Die ersten Grundzüge des Design Thinking als Zusammenführung von Kunst und Handwerk in der Bildung entstanden in den 1920er-Jahren in Deutschland. Das von dem Architekten Walter Gropius gegründete „Bauhaus versuchte damals, durch die Einbindung unterschiedlicher Disziplinen, wie Kunst, Architektur und Handwerk, ein funktionales Design hervorzubringen. Die meisten Design-Thinking-Prinzipien sind eng mit der Bauhaus-Denkschule verbunden.
In der Wirtschaftswissenschaft gilt der Nobelpreisträger von 1978, Herbert Simon, als Vordenker des Design Thinking. Er fasst die Wirtschaftswissenschaft, vergleichbar mit den Ingenieurwissenschaften, als Gestaltungsdisziplin auf, da sie sich, anders als die Natur- oder Gesellschaftswissenschaften, nicht nur mit dem Existierenden auseinandersetzt.
In der Wirtschaftspraxis bekam Design Thinking durch die Innovationsberatungsfirma IDEO aus dem Silicon Valley Auftrieb und wurde von Hasso Plattner sowohl an der Design School der Stanford University als auch an der Universität Potsdam etabliert.
Im Innovationsmanagement spielt der akademische Diskurs um Design Thinking im Spannungsfeld von Rationalismus, Postmodernismus oder Hermeneutik keine Rolle, vielmehr hat sich eine heuristische Herangehensweise etabliert. Design Thinking wird als ein Prozess und eine Haltung verstanden, um unter Ungewissheit komplexe Probleme zu lösen.
Begriffsverständnisse von Design Thinking
Design Thinking wird je nach Disziplin und Kontext unterschiedlich definiert und diskutiert. Plattner et al. (2009, S. 103) definieren Design Thinking im Allgemeinen als „eine systematische Innovationsmethode, die in allen Lebensbereichen angewendet werden kann. Design Thinking ist keine [] genau definierte Handlungsvorschrift zur Lösung eines Problems [] sondern eine Heuristik, die ganz bestimmte Verfahrensschritte vorgibt, die sich in der Praxis in einer bestimmten Abfolge als zweckmäßig erwiesen haben und die unter ganz bestimmten Bedingungen, nämlich in einem multidisziplinären Team ihr vollständiges Erfahrungsspektrum entfalten können.
Design Thinking ist somit ein Ansatz, der wiederholte, zyklische Auseinandersetzungen mit einer Problemstellung erfordert, um eine sinnhafte Lösung zu generieren (vgl. Wylant 2010, S. 228).
Erbeldinger und Ramge (2015, S. 13) verstehen unter Design Thinking im betriebswirtschaftlichen Kontext „erfinderisches Denken mit radikaler Kunden- beziehungsweise Nutzenorientierung. Sie betonen die Interdisziplinarität des Ansatzes, dem ein...

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