5. – 13. Schuljahr

Vera Kirchner, Dirk Loerwald

Wir gründen eine Schülerfirma Tipps und Tricks aus Theorie und Praxis

Ein Interview zur Schülerfirmenarbeit mit Dr. Isabelle Penning und Constantin Klitsch

Genaugenommen sind Sie nicht nur Lehrer, Herr Klitsch, sondern Aufsichtsratsvorsitzender eines erfolgreichen Unternehmens an der Heinz-Brandt-Schule (Integrierte Sekundarschule) in Berlin. Was ist das Geschäftsmodell der Schülerfirma?
Klitsch: Die Schülerfirma JustEat besteht bereits seit dem Jahre 2011 und hat sich zu einem festen Bestandteil des Schulalltags entwickelt. Die mitarbeitenden Schülerinnen und Schüler realisieren zunehmend selbstständig sowohl den schulischen Pausenverkauf als auch Caterings innerhalb und außerhalb der Schule. In diesem Zusammenhang werden u.a. Aspekte der Arbeitsplatzgestaltung sowie Fragen des Marketings oder der Buchhaltung thematisiert.
Im Rahmen Ihrer Forschungsarbeit im Bereich Schülerfirmen haben Sie Interviews mit verschiedenen betreuenden Lehrerinnen und Lehrern zu Ihrer Sichtweise auf Schülerfirmen durchgeführt, Frau Penning. Sie beschreiben die Schülerfirmenarbeit dabei als Gratwanderung zwischen wirtschaftlichen und didaktisch-pädagogischen Zielen. Was ist damit gemeint?
Penning: Das Besondere einer Schülerfirma ist ihr hoher Echtheitscharakter. In ihr werden Produkte gefertigt oder Dienstleistungen angeboten. Obwohl Schülerfirmen schulische Projekte sind, fließen reale Geld- und Warenströme. Dabei sollen die pädagogischen Zielsetzungen immer im Vordergrund stehen. Dies ist jedoch nicht immer so einfach, wie sich anhand des folgenden Beispiels veranschaulichen lässt:
Eine Lehrkraft begleitet eine Catering-Schülerfirma und möchte gern die Verantwortung für die Auftragsakquise an seine Schülerinnen und Schüler geben, um deren Selbstständigkeit zu fördern. Bleiben Aufträge aus, kommen die Leistungserstellung und der Lernprozess zum Erliegen. Daher bringt sich die Lehrkraft stark ein, um eine gute Auftragslage zu generieren und somit den wirtschaftlichen Erfolg der Schülerfirma sicherzustellen.
Das enge Zusammenspiel der Zieldimensionen führt zu einer Gratwanderung, welche die Lehrkräfte bei der Umsetzung von Schülerfirmen immer wieder neu austarieren müssen.
Die vielleicht wichtigste inhaltliche Frage zuerst: Warum sollte man als vielbeschäftigte Lehrperson mit seinen Schülerinnen und Schülern eine Schülerfirma gründen?
Klitsch: Die Schülerfirma bietet sowohl den in ihr arbeitenden Lernenden als auch den betreuenden Lehrenden ein großes Potenzial für individuelle und gemeinschaftliche Entwicklung. Durch das gemeinsame Ziel lernen die Schülerinnen und Schüler, verstärkt zusammen zu arbeiten. Sie erleben deutlich, dass Arbeitsaufteilung nötig ist und lernen darüber hinaus, sich an Absprachen zu halten sowie sich ggf. gegenseitig zu unterstützen.
Das ist zeitweise mühevoll. Kleinere Rückschläge sollten die Lehrperson jedoch nicht bremsen, denn wenn eine Schülerfirma dann läuft, ändert sich die Rolle des Lehrers bzw. der Lehrerin hin zum Lernbegleiter. Dieser Prozess braucht einige Zeit, aber die investierte Mehrarbeit lohnt sich. Wo, wenn nicht in der Schülerfirma, hört man auf die Frage: „Was steht heute an? die Schülerantwort: „Wir haben uns folgendes überlegt wir machen das schon!
Penning: Die Simulation „Schülerfirma ermöglicht es, wirtschaftliche Inhalte in den Unterricht zu holen und über ein handlungsorientiertes Modell erfahrbar zu machen, die beispielsweise über Betriebspraktika o.Ä. nur schwer oder gar nicht zugänglich sind. So sind die Schülerinnen und Schüler im Idealfall für die komplette Planung und Umsetzung der Leistungserstellung und -vermarktung zuständig und übernehmen auch leitende Positionen innerhalb der Schülerfirma.
Überdies hat die Lehrkraft die Möglichkeit, sich eigene Schwerpunkte zu setzen und variierende fachliche Zielstellungen anzustreben. Schülerfirmen bieten das Potenzial, ökonomisches Lernen mit hauswirtschaftlichem oder...

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