5. – 13. Schuljahr

Bernd Remmele

Antiglobalismus rational und populistisch?

„Ein Gespenst geht um in Europa das Gespenst des Rechtspopulismus (Hillebrand 2015). Und dieser hat in doppelter Hinsicht eine antiglobalistische Ausrichtung. Dem Rechtspopulismus geht es um die Betonung der Identität bzw. Homogenität einer Kerngruppe „das Volk
  • zum einen in Abgrenzung von „denen-da-oben einem abgehobenen, eigennützigen, sich bereichernden, global-orientierten Establishment
  • und zum anderen von „denen-da-draußen einer eigennützigen, sozialstaatliche Wohltaten genießen wollenden, (kultur-)fremden, von außen kommenden Masse (vgl. Lewandowsky 2017).
Die (Hyper-)Globalisierung der letzten drei Jahrzehnte, nochmal verstärkt durch Chinas Beitritt zur WTO im Jahr 2001, wird für die Verbreitung von „Ängsten in der Bevölkerung und entsprechend nationalistischer bzw. anti-universalistischer Haltungen mitverantwortlich gemacht. Denn mit der Globalisierung kamen insbesondere Menschen am unteren Rand der Gesellschaft durch den internationalen Wettbewerb unter ökonomischen Druck, und die soziale Spaltung nahm zu. An dieser Einschätzung dürfte einiges richtig sein, daher ist es wichtig, sich einige der damit verbundenen Zusammenhänge deutlicher bewusst zu machen. Denn gerade auch aus Bildungsperspektive ist die Frage, wie Wissen, Rationalität und Moral in diesem Feld zusammenfließen, von großer Bedeutung. Bildung verfolgt das Ziel, durch Wissen und Schulung der Reflexion Menschen „besser und (welt-)offener zu machen. Wenn Globalisierung aber zumindest für einen Teil der Bevölkerung nachteilig ist, dann ist deren Ablehnung dieser Prozesse rational nachvollziehbar. Sollte man dies auch noch dadurch verstärken, dass man die problematischen Zusammenhänge vermittelt?
Komparative Kostenvorteile
Wenn es um internationalen Handel geht, beruft sich die vermeintliche Stimme der ökonomischen Vernunft auf das Prinzip der komparativen Kostenvorteile. Das Prinzip hat den Charme, dass es sich dabei um eine wahre und nicht-triviale sozialwissenschaftliche Erkenntnis (vgl. Samuelson 1969) handelt. Im Kern besagt es, dass Handel den Handelspartnern nützt auch wenn einer der Partner alle gehandelten Produkte selbst am billigsten produzieren könnte. Kooperation führt auch unter dieser Bedingung zu Kooperationsgewinnen, die sich auf die Handelspartner verteilen. Zölle sind entsprechend schlecht, denn sie behindern den internationalen Handel und reduzieren die möglichen Kooperationsgewinne (bzw. verlagern die dann noch möglichen Kooperationsgewinne auf die Seite des Landes, das den Zoll erhebt).
Die Bedingungen, unter denen das Prinzip der komparativen Kostenvorteile so allgemein gilt, sind allerdings eher unrealistisch. Für unsere Analyse sind vor allem die folgenden Bedingungen bedeutsam: Arbeit soll der einzige Produktionsfaktor, und das Arbeitsangebot unveränderlich sein.
Variiert man diese Bedingungen, dann ergibt sich ein differenzierteres Bild internationalen Handels und seiner Gewinner. Führt man Kapital als weiteren Produktionsfaktor ein, dann teilen sich die Kooperationsgewinne noch irgendwie zwischen Arbeit und Kapital in den jeweiligen Ländern auf. Für den Faktor Arbeit bzw. die Arbeitenden bleibt dann schon mal weniger vom Kuchen insbesondere dann, wenn man in einem Land lebt, dass kapitalintensiver wirtschaftet als die Handelspartner. Im Groben kann man sagen, dass internationaler Handel dazu führt, dass dort, wo die Stärken eines Landes liegen, auch verstärkt die Kooperationsgewinne anfallen. In kapitalintensiven Ländern wie Deutschland profitieren also die Kapitalbesitzer stärker von der Globalisierung als die Arbeitnehmer. Für besonders betroffene Arbeitnehmer können sich sogar Verluste einstellen. Denn variiert man auch die zweite Bedingung und betrachtet das Arbeitsangebot realistischerweise als veränderlich, dann folgt daraus, dass es Wettbewerb zwischen Arbeitskräften gibt. An manchen Stellen kann mehr...

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