9. – 11. Schuljahr

Karl-Josef Burkard

Die Welt als Markt

Eine kurze Geschichte der ökonomischen Globalisierung

Die lange Vorgeschichte der Globalisierung
Chinesischer Welthandel
Weltweite Handelsbeziehungen zwischen Europa, Asien und Afrika gab es bereits im Altertum. So fand schon vor zweitausend Jahren über die sogenannte „Seidenstraße, die eigentlich ein Netz unterschiedlicher Handelsrouten war, ein Austausch von Luxusgütern statt, z.B. kostbare chinesische Seide gegen wertvolles römisches Glas. Selbst aber in der Blütezeit der Seidenstraße im 13 Jahrhundert, als der venezianische Kaufmann Marco Polo nach China reiste, blieb der Umfang dieses Handels aufgrund der enormen Entfernungen und der begrenzten Transportmöglichkeiten beschränkt. Für das wirtschaftlich führende China, das um 1100 rund 20% seiner Steuereinnahmen aus dem Außenhandel bezog, war der Seehandel mit Südostasien, Indien und Arabien viel bedeutender. Die für damalige Verhältnisse riesigen chinesischen Dschunken (traditionelle chinesische Segelschiffe) segelten im 14. und 15. Jahrhundert sogar bis an die Küsten Ostafrikas.
Europäische Entdeckungen und Eroberungen
Bis 1500 spielte sich der Fernhandel der europäischen Kaufleute noch überwiegend zwischen Mittelmeer, Nordsee- und Ostseeraum ab. Das änderte sich mit den europäischen Entdeckungsreisen und Eroberungen. Die Blockade der Landwege durch das Osmanische Reich (Reich der Türken) veranlasste Portugiesen und Spanier, einen Seeweg nach Indien und China zu suchen. Portugiesische Seefahrer erkundeten den östlichen Seeweg um die Südspitze Afrikas herum. 1498 erreichten sie Indien, 1513 China, 1543 Japan. Dagegen versuchte der aus Genua stammende Christoph Kolumbus, Indien auf der Westroute zu erreichen; stattdessen entdeckte er auf seinen vier Fahrten zwischen 1492 und 1502 den „neuen Kontinent Amerika.
Während in der Folgezeit die Spanier das Aztekenreich in Mexiko und das Inkareich in Südamerika mit großer Brutalität eroberten und dort spanische Siedlungskolonien errichteten, beschränkten sich die Portugiesen im Wesentlichen auf Handelsstützpunkte an den Küsten Afrikas und Indiens, später auch in China (Macau) und Japan. Ihnen folgten englische, niederländische und französische Entdecker, Kaufleute und Eroberer, die weltumspannende Handelsreiche errichteten. Im Ergebnis ihrer Entdeckungen und Eroberungen stiegen die Europäer aufgrund ihrer fortgeschrittenen Militärtechnik zu Beherrschern der Weltmeere und des Welthandels auf, auch wenn China, Indien und Japan ihnen noch für lange Zeit wirtschaftlich überlegen bleiben sollten.
Britisches Weltreich
Nachdem die Engländer dank ihrer überlegenen Flotte im 16. Jahrhundert die spanischen und im 17. Jahrhundert die niederländischen Rivalen im Kampf um die Vorherrschaft im Welthandel besiegt hatten, kam es von 1756 bis 1763 zwischen Briten und Franzosen zum ersten globalen Krieg, der in Europa, Nord- und Mittelamerika , Indien und Westafrika ausgetragen wurde. Während Frankreich seine Streitkräfte auch in Europa einsetzen musste, konnte sich Großbritannien ganz auf den Kampf in den Kolonien konzentrieren. Der vollständige Sieg in diesem „Siebenjährigen Krieg legte die Grundlage für das britische Weltreich. Es sollte zwar noch weitere 150 Jahre dauern, bis das Vereinigte Britische Königreich auf dem Höhepunkt seiner Macht rund ein Viertel der Weltbevölkerung und der Landfläche der Erde umfassen sollte. Dennoch profitierte das Empire schon zuvor von einem Kontinente-übergreifenden Wirtschaftsraum (Abb.1).
Mit dem Aufstieg Großbritanniens zur Weltmacht ging auch sein Aufstieg zur führenden Wirtschaftsmacht einher. Dass es sich als erster Staat zum Industrieland entwickeln konnte, hat neben vielen anderen Gründen auch mit seiner frühen Ausrichtung auf den Weltmarkt zu tun: Die Rohbaumwolle, die in den englischen Fabriken zu Garnen und Stoffen verarbeitet wurde, kam zu hundert Prozent aus dem Ausland. Und die konkurrenzlos billigen...

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