10. – 11. Schuljahr

Sara Braun, Luis Oberrauch

Donald Trumps Wirtschaftsnationalismus

Ursachen und Folgen globaler Handelsungleichgewichte

Die hohen deutschen Außenhandelsüberschüsse haben in der Vergangenheit nicht nur innerhalb der europäischen Union Kritik hervorgerufen. Auch in den USA werden die deutschen Exporterfolge unter der neuen Führung zunehmend als schädlich für heimische Industrien angesehen und verstärken die protektionistischen Bestrebungen.
Handelsungleichgewichte als aktuelles Problem
Über die letzten Jahre haben sich weltweite Handelsungleichgewichte verschärft. Dabei stehen klassischen Überschussländern wie Deutschland, China oder Japan die USA als größtes Defizitland sowie einige europäische Peripherieländer gegenüber.
Ungleichgewichte im weltweiten Warenhandel schlagen sich in erster Linie in ungleichen Handelsbilanzen der einzelnen Länder nieder. Die Handelsbilanz als Teil der übergeordneten Leistungs- und Zahlungsbilanzen beschreibt dabei ein volkswirtschaftliches Kontensystem, in dem u.a. alle ökonomischen Güterströme d.h. alle warenbezogenen Transaktionen der Wirtschaftseinheiten eines Staates mit dem Rest der Welt erfasst werden. Der Import von Waren geht mit einer Zahlungsverpflichtung, der Export von Waren mit einer Zahlungsforderung an das Ausland einher. Übersteigen die Importe eines Landes die Exporte, wird von einem Handelsbilanzdefizit, übersteigen die Exporte hingegen die Importe, wird von einem Handelsbilanzüberschuss gesprochen.
Die Ursachen und Folgen von globalen Handelsbilanzungleichgewichten sind vielfältig, komplex und stark miteinander verflochten. Mögliche Ursachen sind Änderungen der Wechselkurse, Unterschiede im Investitions- und Sparverhalten, unterschiedliche Wirtschaftsstrukturen sowie unterschiedliche Lohnstückkosten mit entsprechenden Konsequenzen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der am Handel beteiligten Länder. Mögliche Folgen sind eine starke Exportabhängigkeit der Länder mit Exportüberschüssen oder protektionistische Abwehrreaktionen der Länder mit Importüberschüssen, wie sie sich aktuell an den Maßnahmen der Trump-Administration beobachten lassen. Eine tiefergehende Darstellung dieser fachlichen Zusammenhänge finden Sie als Online-Material im Downloadbereich dieses Beitrags.
Das Thema im Unterricht
Die Themengebiete Globalisierung und Welthandel, internationale Arbeitsteilung und wirtschaftliche Integrationsräume stellen zentrale Bestandteile aller Curricula der ökonomischen und politischen Bildung dar. Diese Themen sind alles andere als abstrakt: Sie beeinflussen den Alltag der Konsumenten und Produzenten und stehen im Fokus handelspolitischer Konflikte mit erheblichen Auswirkungen auf die Entwicklung der Staatenwelt.
Wer den aktuellen Streit zwischen den USA, China und der EU (insbesondere Deutschlands) über Freihandel und Protektionismus, Strafzölle und mögliche Vergeltungsmaßnahmen sowie die divergierenden Positionen der Kontrahenten verstehen und beurteilen will, muss nicht nur die konkurrierenden außenwirtschaftspolitischen Leitbilder und relevante weltwirtschaftlichen Institutionen (wie die WTO), sondern auch die Determinanten von Handelsbilanzungleichgewichten und deren mögliche ökonomische und politische Konsequenzen kennen.
Wenn politisches Urteilen nicht beim bloßen Äußern von Meinungen (also letztlich von Vorurteilen) stehen bleiben soll, muss ihm eine gründliche Analyse der ökonomischen Strukturen und Zusammenhänge vorausgehen. Es genügt nicht, den sich in Trumps „America first artikulierenden Wirtschaftsnationalismus als Abweichung von jenen wirtschaftsliberalen Grundsätzen zu kritisieren, welche die USA lange Zeit propagierten und zur Richtschnur der maßgeblich von ihnen geschaffenen Institutionen der Weltwirtschaft (WTO, IWF, Weltbank) zu machten. Vielmehr kommt es darauf an, durch eine Analyse der sich in den Handelsbilanzen niederschlagenden internationalen Handelsbeziehungen und -strukturen den tatsächlichen...

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