9. – 11. Schuljahr

Karl-Josef Burkard

Globalisierung als Prozess

Anregungen für den Einsatz des Sonderbeihefters mit dem Basisartikel „Die Welt als Markt im Unterricht

Globalisierung ist kein plötzlich eintretendes Ereignis, sondern ein von Menschen gemachter geschichtlicher Prozess von langer Dauer, in dem globale Interaktionen zwischen Individuen, Unternehmen, Staaten und sonstigen Akteuren an Intensität und Häufigkeit zunehmen, weit entfernte Räume zeitlich immer dichter aneinanderrücken und die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Verflechtungen immer enger werden.
Wenn im Wirtschafts- und Politikunterricht Elemente und Probleme der Globalisierung näher beleuchtet werden sollen, kann in der Regel nicht auf Kenntnisse aus dem Geschichtsunterricht über Stationen und Verlaufsformen dieses Prozesses zurückgegriffen werden. Das liegt nicht allein daran, dass bestimmte geschichtliche Tatsachen entweder vergessen oder erst gar nicht behandelt worden sind, sondern hat seinen Grund auch darin, dass sich die Einnahme globaler Perspektiven im vorherrschenden Geschichtsunterricht noch nicht flächendeckend durchgesetzt hat.
Intention der „kurzen Geschichte der Globalisierung
Mit dem zweiten Basisartikel dieser Ausgabe für die Hand der Schülerinnen und Schüler wird daher der Versuch unternommen, den weltgeschichtlichen Prozess der Globalisierung in begrenztem Umfang und auf mittlerem Niveau so zu erzählen, dass er auch schon von jugendlichen Leserinnen und Lesern ab dem 9. Schuljahrgang nachvollzogen werden kann.
Der Fokus wurde dabei bewusst auf die ökonomische Dimension der Globalisierung gerichtet, um durch die Reduktion von Komplexität das möglichst selbstständige Erkennen von wiederkehrenden Konstellationen zu erleichtern, z.B. die Rolle führender Mächte (Großbritanniens im 19. Jahrhundert, der USA in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) bei der Schaffung der politischen (vertraglichen bzw. institutionellen) Voraussetzungen globaler ökonomischer Vernetzung, die Bedeutung technischer Innovationen (insbesondere in den Bereichen Kommunikation, Verkehr und Logistik) für einzelne Globalisierungsschübe oder die wiederholten Rückgriffe auf das Arsenal protektionistischer Maßnahmen in ökonomischen Krisensituationen (z.B. nach den Krisen von 1873, 1929 und 2008/2009).
Einsichten
„Globalisierung ist zu einem Allerweltsbegriff geworden, der je nach Interesse und Neigung mit allen möglichen Inhalten und völlig gegensätzlichen Bewertungen aufgeladen werden kann. Die historische Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Phänomen der Globalisierung soll daher zu einer differenzierteren Begriffsverwendung beitragen und eine analytische Herangehensweise erleichtern. Dabei könnten unter anderem folgende Einsichten gewonnen werden:
(1) Globalisierung ist ein Prozess, dessen Beginn zwar nicht beliebig weit in die Vergangenheit ausgedehnt werden sollte, weil er sonst jegliche Trennschärfe verliert, aber auf jeden Fall weiter in die Geschichte zurückreicht als das Aufkommen des Begriffs. Das hat er mit anderen „Großbegriffen wie z.B. der Industrialisierung gemein.
(2) Dieser Prozess lässt sich in bestimmte Phasen gliedern, die auch als „Globalisierungsschübe oder als jeweilige „Vorgeschichte der nachfolgenden Globalisierungs-Phasen beschrieben werden können:
  • (a) die Periode der europäischen Expansion vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, die zur Herausbildung eines weltweiten, wenn auch noch löchrigen Netzes von Handelsbeziehungen führte,
  • (b) Aufschwung, Hochphase und Krise der „ersten Globalisierung von der Industriellen Revolution in England bis zur De-Globalisierung in der Zwischenkriegszeit,
  • (c) die bis heute andauernde „zweite Globalisierung mit einer langen Anlaufphase, dem Durchbruch in den 1980er- und 1990er-Jahren und den noch schwer einzuschätzenden Entwicklungen, die mit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2007 einsetzten.
(3) Der Globalisierungsprozess verlief und verläuft also nicht...

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