9. – 13. Schuljahr

Eike Kruse, Markus Allbauer

Glück und Ökonomie

Zwei Konzepte mit zahlreichen Verbindungen

Glück ist seit jeher „eines der zentralen Themen der Menschheitsgeschichte (Keller/Mangold 2002, S. 534). Als eines der grundlegenden ethischen Prinzipien verlangt jeder Mensch nach Glück, „denn jeder hat Bedürfnisse, die nach Befriedigung, und Interessen, die nach Erfüllung drängen. Den Inbegriff der Befriedigung und Erfüllung nennt man Glück (Höffe 2013, S. 54).
Das Streben nach Glück
Das universale menschliche Streben nach Glück wird somit als Konsens angenommen. Uneinigkeit besteht jedoch darüber, was konkret unter Glück verstanden wird (vgl. Keller/Mangold 2002). Die Verbreitung entsprechender Ratgeberliteratur (à la „Anleitung zum Glücklichsein; teilweise auch interpretiert als „Anleitung zum Unglücksein nach Paul Watzlawick) liefert hierfür kaum eine hilfreiche oder gar allgemeingültige Antwort. Einschlägige Definitionen, u.a. aus Philosophie, Psychologie, Soziologie oder Ökonomik, bewegen sich zwischen den Eckpunkten Gelingen/günstiger Zufall (Glück haben), dem Erleben von (eher kurzen) Glücksmomenten sowie einem dauerhaften Wohlbefinden bzw. einer dauerhaften Zufriedenheit (glücklich sein).
Die Auseinandersetzung mit Glück ist auch im Unterrichtskontext längst kein Neuland mehr. So hat beispielsweise Ernst Fritz-Schubert mit seinem Pilotprojekt das Fach Glück bereits 2007 an deutsche Schulen gebracht. Mittlerweile wird das Fach an über 100 Schulen im deutschsprachigen Raum unterrichtet. International gesehen liegt das Schulfach im Trend ähnliche Ansätze verbreiten sich im englischsprachigen und asiatischen Raum.
Zu den im Glücksunterricht behandelten Themen zählen selbstbestimmtes Handeln, Umweltbewältigung und Persönlichkeitsentwicklung ein interdisziplinärer Zugang also mit Wurzeln in der Psychologie. Das setzt eine Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen und Präferenzen voraus, die über das Verständnis von (Wirtschafts-)Kreisläufen auch auf einer systemischen Ebene abstrahiert werden können.
In der Ökonomik ist die Auseinandersetzung mit Glück auch unter Berücksichtigung der Ansichten anderer Disziplinen historisch gesehen nichts Neues (vgl. Keller/Mangold 2002). Ökonomische Konzepte, wie z.B. individuelle Bedürfnisse, Einzelinteresse und Gemeinwohl sowie insbesondere der Nutzen, haben klare Berührungspunkte mit dem Glückskonzept.
Eine einseitig materiell basierte oder rationale Interpretation dieser Konzepte scheint jedoch gängigen Glücksvorstellungen nicht wirklich zu entsprechen (vgl. Frey 2017; Keller/Mangold 2002). Jüngere wirtschaftswissenschaftliche Ansätze (z.B. experimentelle Wirtschaftsforschung, Glücksforschung) haben die folgende These vielfach bestätigt: Materielle bzw. auf Märkten gehandelte Güter können einen durchaus nennenswerten Beitrag zur Erfüllung von Wünschen und Befriedigung von Bedürfnissen leisten hinreichend sind sie jedoch selten und in vielen Fällen nicht einmal notwendig.
Glück aus ökonomischer Perspektive
Aus der Glücksforschung geht deutlich hervor: Bedürfnisse können nicht beliebig substituiert werden. Die Befriedigung von ökonomischen Grundbedürfnissen ist für das Glücksempfinden ebenso unabdingbar wie psychologische Bedürfnisse und das Unterhalten sozialer Beziehungen.
Als spezifisches Erkenntnisinteresse der Ökonomen kann die „Verbesserung der (wirtschaftlichen) Situation (z.B. eines Individuums, einer sozialen Gruppe, einer Gesellschaft oder der Menschheit) angesehen werden (Retzmann etal. 2010, S. 17), wobei die Effizienz (im Sinne einer ZielMittelBeziehung) hierfür den wichtigsten Beurteilungsmaßstab darstellt.
Auch wenn Glück als Ziel intersubjektiv unterschiedlich aufgefasst werden kann, raten Ökonomen zumindest dazu, dass dieses Ziel mit dem geringstmöglichen Einsatz knapper Mittel erreicht werden sollte. Wie knappe Mittel zur Zielerreichung eingesetzt werden und wie ökonomische Phänomene beurteilt...

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