5. – 13. Schuljahr

Franzsika Birke, Dirk Loerwald

Glück unterrichten

Wer das Themenfeld „Glück in einem Lehrplan für den Wirtschafts- und Politikunterricht sucht, wird aller Voraussicht nach nicht fündig. Vor dem Hintergrund des Sprichworts „Das Glück ist mit den Dummen könnte man gar geneigt sein, Glück als etwas Konträres zur Bildung zu verstehen. Braucht der gebildete Mensch wirklich kein Glück? So war das Sprichwort wohl nicht gemeint. Glück ist etwas, wonach alle Menschen streben. Was wiederum glücklich oder unglücklich macht ist häufig sehr individuell. Fest steht aber, dass wirtschaftliche und politische Aktivitäten oft mit dem (Un-)Glück Einzelner verbunden sind.
Wohlstand, Glück und Konsum
Verbraucher streben nach Konsum, der glücklich macht und deshalb werben viele Unternehmen auch damit, dass der Konsum ihrer Produkte Glückszustände produziere. Ein Online-Versandhändler für Schuhe und Mode hat beispielsweise mit „Schrei vor Glück! geworben und eine Elektronik-Fachmarktkette forderte auf zu „Kauf dich glücklich!. Mittlerweile gibt es sogar eine Marmelade, die einfach nur „Glück heißt.
Konsum soll glücklich machen, fest steht jedoch, dass Geld allein nicht glücklich macht. Mit der Ansammlung an Reichtum geht nicht zwingend eine proportionale Vermehrung des Glücks einher. Gar kein Geld zu haben, macht aber auch nicht glücklich. Zwischen Wohlstand und Glück bestehen Zusammenhänge, die aber differenziert zu betrachten sind. So kommt es beispielsweise darauf an, was man mit seinem Geld tut, wie groß die Zuwächse an neuem Geld sind und über wie viel Geld andere Menschen im eigenen Umfeld verfügen. Mit diesen und ähnlichen Themenstellungen beschäftigt sich die ökonomische Glücksforschung.
Zufriedenheit in Arbeitswelt und Gesellschaft
Auch in der Arbeitswelt suchen die Menschen nach Glück. Die Zufriedenheit mit dem eigenen Beruf hängt auch hier wieder nicht allein vom Lohn ab, sondern auch davon, wie glücklich jemand mit seiner täglichen Arbeit ist. Arbeit ist nicht nur Broterwerb, sondern eine Aufgabe, mit der sich viele identifizieren möchten und mit der man viel Zeit verbringt. Hier spielen psychologische und soziologische Aspekte eine zentrale Rolle.
Aber auch politisch ist Glück eine relevante Kategorie. Politiker sollen das Gemeinwohl der Bürgerinnen und Bürger im Auge haben und das wiederum wird wesentlich auch durch das Glücksempfinden beeinflusst. So wird beispielsweise in Bhutan alle fünf Jahre das Bruttonationalglück erhoben und auf der Basis der Ergebnisse politische Maßnahmen zur Vermehrung des individuellen Wohlbefindens ergriffen. Glücksmehrung ist hier ein politischer Auftrag. Aber auch andere Regierungen dieser Welt haben das Glück ihrer Bürgerinnen und Bürger im Auge, weil in Demokratien davon auch die Wiederwahl abhängt.
Glück als Thema im Unterricht
Diese Ausgabe greift damit ein Themenfeld auf, das sich in den Lehrplänen und Kerncurricula in den Schulen an Vieles andocken lässt: vom Konsum auf Märkten über Unternehmen und Arbeitswelt bis hin zu (wirtschafts-)politischen Themenfeldern. Auch im Bereich der Berufs- und Studienorientierung sind zahlreiche Anknüpfungspunkte denkbar.
Mit Bruno S. Frey ist es gelungen, nicht nur einen der international renommiertesten deutschsprachigen Volkswirte für den Basisartikel zu gewinnen, er ist auch seit den Anfängen der etablierten ökonomischen Glücksforschung mit dabei und hat zahlreiche einschlägige Publikationen in diesem Feld veröffentlicht. Mit einfachen Worten bringt er uns in seinem Beitrag die Grundzüge der modernen Glücksforschung in den Sozialwissenschaften näher.
Die Beiträge in dieser Augabe
Die fünf Praxisbeiträge in dieser Ausgabe befassen sich mit:
  • den grundlegenden Verbindungen zwischen Glück und Ökonomie,
  • der Frage nach der Messbarkeit von Glück und den Messkonzepten,
  • den Zusammenhängen zwischen Konsum und Glück,
  • dem Verhältnis von Glück und Beruf in der Arbeitswelt sowie
  • den Herausforderungen und Grenzen einer...

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