5. – 13. Schuljahr

Langzeitprojekt Wirtschaftskompetenz

Am 1. Juni 2015 startete unser Langzeitprojekt „Wirtschaftskompetenz, das in dieser Form für die ökonomische Bildung einmalig ist und bis 2022 andauern wird. Es ist deshalb einmalig, weil am Ende die jährlich wiederholte Testung und Befragung von Schülerinnen und Schülern mit und ohne eigenes Fach Wirtschaft verlässlich Aufschluss über deren Kompetenzentwicklung und Einstellungsänderungen sowie die Wirkung des Fachunterrichts geben wird.
Die am Projekt Beteiligten
Angestoßen wurde das Projekt von der Stiftung Würth, die es auch finanziert. In die Stiftung ist das Kompetenzzentrum für ökonomische Bildung in Baden-Württemberg eingegliedert, das 2006 seine Arbeit aufnahm. Hintergrund für diese Gründung waren die Ergebnisse einer umfangreichen Studie zum Wirtschaftswissen von Schülerinnen und Schülern aus dem Jahr 2000 (vgl. Würth/Klein 2000), die wie andere Tests zuvor erhebliche Defizite bei den Jugendlichen feststellte. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Kompetenzzentrums sollte eine vergleichbare Studie den aktuellen Status erheben.
Zur selben Zeit wurden für Baden-Württemberg neue Bildungspläne zum Schuljahr 2016/17 beschlossen, die unter anderem auch ein neues Fach Wirtschaft auswiesen. Dessen Aufnahme in den Fächerkanon wurde intensiv, öffentlich und kontrovers diskutiert. Auch deshalb unterstützt das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg unser Projekt, das auch zum Ziel hat, die Wirkung von Fachunterricht auf die Kompetenzentwicklung der Lernenden zu evaluieren. Die Projektleitung und die wissenschaftliche Durchführung liegen beim Arbeitsbereich ökonomische Bildung an der Universität Koblenz-Landau.
Der Kontakt zu den Schulen und die Prozessevaluierung erfolgt durch MTO Psychologische Forschung und Beratung in Tübingen. Nicht zuletzt sind die mittlerweile über 9.000 Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg und deren Lehrerinnen und Lehrer zu nennen, die teilweise bereits das dritte Mal an der Studie teilgenommen haben.
Was wird gemessen?
Anders als die meisten bisherigen Studien, die das Wirtschaftswissen in den Mittelpunkt stellen, messen wir die ökonomische Kompetenz als individuelle, dispositive Fähigkeit. Wir wollen also nicht Lehrbuchwissen oder Faktenkenntnisse testen, sondern Aufgaben vorlegen, die ein ökonomisches Verständnis prüfen, das auf vielfältige ökonomisch geprägte Situationen angewendet werden kann. Dazu greifen wir auf das sogenannte Integrative Modell ökonomischer Kompetenz zurück (vgl. Seeber et al. 2018). Es unterscheidet drei Kompetenzbereiche des Ökonomischen:
Um ökonomisch geprägte Lebenssituationen bewältigen zu können, braucht man die Fähigkeit, unter Abwägung von Kosten und Nutzen und unter Berücksichtigung der eigenen Interessen Entscheidungen treffen und begründen zu können (Entscheidung und Rationalität).
Ökonomische Kompetenz zeigt sich aber auch darin, dass Menschen die Interessen, Kosten und Nutzen der Aktionspartner erkennen und in ihrem Handeln berücksichtigen. Sie wissen auch, dass zur Interessenwahrung kooperatives Handeln hilfreich sein kann (Beziehung und Interaktion).
Schließlich sollte ein systemisches Grundverständnis, z.B. der Funktionsweise von Märkten, ebenso vorhanden sein, wie eines der politischen Rahmensetzungen, die als veränderbar erkannt werden (System und Ordnung).
Diese Darstellung ist stark vereinfacht. Das Modell führt die Kompetenzen jeweils im Detail weiter aus. Für alle Kompetenzbereiche gilt, dass sie Fähigkeiten beschreiben, die sich in allen relevanten Lebenssituationen anwenden lassen. Die KostenNutzenAbwägung beispielsweise wird vom Verbraucher beim Handykauf ebenso gefordert wie vom Berufswähler.
Die Testaufgaben verteilen sich über die Kompetenzbereiche und greifen die verschiedenen Lebenssituationen auf. So sollen die Schülerinnen und Schüler unter anderem entscheiden, welches Anlageangebot zweier...

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