5. – 13. Schuljahr

Bruno S. Frey

Was weiß die Wissenschaft über Glück?

Die Glücksforschung hat im Laufe der letzten Jahre spannende und wichtige Ergebnisse erzielt. Insbesondere mittels empirischer Forschung wird weit über die von Philosophen seit Jahrhunderten betriebenen Erörterungen über das Glück hinausgegangen. Das Sozialprodukt wird nicht mehr als Indikator für Wohlfahrt angesehen, sondern es wird anerkannt, dass die Lebenszufriedenheit von einer großen Zahl weiterer Einflüsse bestimmt ist.
Die Glücksforschung
Das „subjektive Wohlbefinden lässt sich mit Hilfe einer Umfrage gut erfassen. Einer repräsentativen Auswahl in der Bevölkerung wird die Frage gestellt: „Alles in allem genom-men, wie zufrieden sind Sie mit dem Leben, das Sie führen? Mit dieser Frage wird nicht eine kurzfristige Laune abgefragt, sondern die Menschen werden angeregt, sich über ihre Befindlichkeit insgesamt Gedanken zu machen. Antworten sind auf einer Skala von 0 („völlig unzufrieden) bis 10 („völlig zufrieden) möglich.
Sorgfältige Untersuchungen zeigen, dass hohe Werte mit Aspekten übereinstimmen, die üblicherweise mit glücklichen Menschen verbunden werden: Sie lächeln mehr, haben weniger Probleme mit anderen Personen, fehlen weniger am Arbeitsplatz, sind psychisch stabiler und begehen weniger häufig Selbstmord.
In Deutschland geben nur wenige Personen einen Wert von weniger als 5 an; die meisten sind im Bereich 6 und 8. Daraus kann gefolgert werden, dass die Menschen in Deutschland recht zufrieden mit ihrem Leben sind. Im Durchschnitt geben sie einen Wert von 7,0 an. Wie die nachfolgenden Zahlen zeigen, sind die Deutschen etwas weniger glücklich als die Skandinavier, Schweizer und Österreicher.
Internationaler Vergleich
Der World Happiness Report 2018 stellt für den Zeitraum 20152017 eine Rangliste auf:
  • An der Spitze liegen die drei nördlichen Länder Finnland, Norwegen und Dänemark mit einem Durchschnitt von 7,6.
  • Island und die Schweiz folgen mit einem Durchschnitt von 7,5.
  • Österreich ist im 12. Rang mit 7,1 platziert.
  • Auf dem 15. Rang folgt Deutschland mit 7,0.
  • Die USA folgen erst auf Rang 18 mit 6,9.
Die großen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union weisen etwas tiefere durchschnittliche Werte der Lebenszufriedenheit auf:
  • Vereinigtes Königsreich 6,8,
  • Frankreich 6,5,
  • Spanien 6,3,
  • Italien 6,0 auf dem 47. Rang.
In der Glücksforschung hat sich eine willkommene enge Verbindung zwischen der Sozialpsychologie und der Volkswirtschaftslehre entwickelt. Die Forschung versucht vor allem zu ergründen, auf welche Faktoren ein bestimmtes Glücksniveau zurückzuführen ist.
Wichtige Ergebnisse
Die gewonnenen Resultate sind inzwischen in der Standardökonomie d.h. der Volkswirtschaftslehre, wie sie an Schulen und Universitäten gelehrt wird zur Kenntnis genommen worden. Unter den bekanntesten Ergebnissen sind insbesondere Folgende zu nennen:
  • Personen mit höherem Einkommen bezeichnen sich selbst als glücklicher (ihre subjektive Lebenszufriedenheit ist höher) als Personen mit geringerem Einkommen. Bekannt ist aber auch, dass ein höheres Einkommen zunehmend weniger zusätzliche Lebenszufriedenheit stiftet. Menschen gewöhnen sich recht rasch an ein höheres Einkommen. Zudem vergleichen sie sich vorwiegend mit Personen höheren Einkommens, was ihr Glücksniveau beeinträchtigt.
  • Einer der wichtigsten Glücksfaktoren sind befriedigende soziale Beziehungen. Wer viele gute Freunde hat und einen intensiven familiären Umgang pflegt, ist mit seinem oder ihrem Leben wesentlich zufriedener als sozial isolierte Personen.
  • Gute körperliche und psychische Gesundheit gehören ebenfalls zu den wichtigsten Glücksfaktoren. Wer Rücksicht auf den eigenen Körper und das seelische Gleichgewicht nimmt, lebt glücklicher. Es gilt auch der umgekehrte Zusammenhang: Wer glücklich ist, wird auch weniger durch ansteckende Krankheiten beeinträchtigt.
  • Wer den Vorzug hat, in einer Demokratie zu leben, ist glücklicher. Sich an politischen Entscheidungen beteiligen zu...

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