1. – 13. Schuljahr

„Die placen da so Bomben

Wie Lernende in ihrer fachsprachlichen Entwicklung unterstützt werden können

Sprache im Unterricht ist kein neues Thema, auch wenn es seit einigen Jahren eine Neufokussierung vor allem auch in den Fachdidaktiken erlebt. Seit mehr als hundert Jahren wird die Bedeutung sprachlicher Aspekte für den Unterricht immer wieder in den Blick genommen: z.B. Schüler-Lehrer-Interaktion, Interaktionsverhalten von Lehrkräften und Sprachfähigkeiten von Schülerinnen und Schülern(vgl. z.B. Arens 1909 oder Clauss 1954). Dabei gibt es seit Jahrzehnten nicht nur eine sprachwissenschaftliche oder allgemeindidaktische Betrachtung von Sprache im (Fach-)Unterricht, sondern auch die Beschäftigung mit Sprache für den sozialwissenschaftlichen Unterricht ist unterschiedlich intensiv bearbeitet (vgl. z.B. Schröder 1988, Weißeno 1993 oder Manzel et al. 2015). Dabei verweisen alle Arbeiten darauf, dass sich die Sprache in der Schule und damit auch im Fachunterricht erheblich von der von Schülerinnen und Schülern genutzten Sprache außerhalb der Schule unterscheidet. Diese Einsicht ist dabei zugleich ganz grundlegend und wiederum ganz bedeutsam. Denn Schule und auch der sozialwissenschaftliche Fachunterricht haben damit die Aufgabe, die fachsprachlichen Fähigkeiten zu vermitteln und aufzubauen, die für das erfolgreiche fachliche Lernen benötigt werden.
Einstellung und Haltung als Reflexionskategorien
Damit sprachbildender Fachunterricht als Aufgabe der sozialwissenschaftlichen Unterrichtsfächer verstanden werden kann, ist es zuallererst die Einsicht der unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer und auch der Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker, dass die Beschäftigung mit der Sprache genuin in den Fachunterricht und -diskurs gehört. Hierzu erscheint eine grundlegende Einsicht bedeutsam, dass die Notwendigkeit der Beschäftigung mit schülerseitigen Sprachvoraussetzungen bezogen auf den fachsprachlichen Bereich nicht in andere Unterrichtsfächer oder außerschulische Bereiche abgegeben werden kann. Denn der sozialwissenschaftliche Unterricht ist der Ort, an dem die Schülerinnen und Schüler die fachsprachlichen Fähigkeiten für die Beschäftigung mit sozialwissenschaftlichen Lerngegenständen lernen sollen und müssen. Hierzu ist wie bereits vor 110 Jahren von Arens (1909, 7) die Aussage zu aktualisieren, dass alles Unterrichten „von unserer gesamten inneren Lehrerpersönlichkeit abhängig sei. Denn die lehrerseitigen Einstellungen zu sprachlicher Vielfalt im Unterricht und der angebotsseitigen Gestaltung von Lerngelegenheiten setzt voraus, dass Lehrerinnen und Lehrer die fachsprachliche Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler als Aufgabe des eigenen sozialwissenschaftlichen Fachunterrichts begreifen.
Der sozialwissenschaftliche Fachunterricht kommt wie jeder andere Unterricht nicht ohne Sprache aus. Daher benötigen die Schülerinnen und Schüler eine ausgebaute fachsprachliche Fähigkeit, um sich mit den komplexen Lerngegenständen selbstständig(er) befassen zu können. Alle Wissensbestände im Fachunterricht sind sprachlich gebunden: Entweder werden Texte gelesen oder Aussagen von Lehrerinnen und Lehrern mit hoher Informationsdichte gehört. Daher entnehmen Schülerinnen und Schüler fachspezifische Informationen immer sprachlich gebunden und müssen diese wiederum auch sprachlich bewältigen, um sich damit auseinandersetzen zu können. Sprachbildender Fachunterricht hat zum Ziel, sich ganz bewusst mit der fachtypischen Sprache zu beschäftigen, um fachliche Lernprozesse zu intensivieren.
Häufig werden schülerseitige Herausforderungen mit der Fachsprache durch Lehrerinnen und Lehrer wahrgenommen und auch konkret benannt. Der Fokus liegt dabei häufig auf den jeweiligen Entwicklungsfeldern einzelner Schülerinnen und Schüler. Dabei ist die Angebotsseite von Unterricht für sprachbildenden Fachunterricht bedeutsam. Denn es kommt vor allem darauf an, mit welcher Idee und welchen Methoden Lehrkräfte in den...

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