1. – 13. Schuljahr

Andreas Lutter, Andreas Wüste

Im Fokus: Sprache

Die sozialwissenschaftlichen Fächer können als sprachlich geprägt gelten. Sprache kann daher nicht auf ein Medium politischer Artikulation oder wirtschaftlicher Kommunikation reduziert werden. Vielmehr sollte auch die „subjektive Seite politischen und demokratischen Sprechens zum unterrichtlichen Gegenstand gemacht werden. Aus diesem Grund sind nicht nur Aspekte der sprachlichen Gebundenheit relevanter Fachgegenstände sowie das Verhältnis von Sprachgebrauch, Wissen und politischem Handeln bedeutsam. Der Erwerb von fachspezifischen Kompetenzen erfordert in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen eine gezielte Unterstützung sprachlicher Fähigkeiten, vor allem, wenn man auf die zusehends heterogenen Voraussetzungen von Lernenden blickt. Ein sprachsensibel gestalteter Unterricht kann dabei helfen, die Intentionen und Wirkungen des Sprachgebrauchs in den Realitätsbereichen von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu hinterfragen und in verschiedenen Situationen sozialer und politischer Kommunikation kompetent zu handeln. Dies ist der Verbesserung der gesellschaftlichen und demokratischen Teilhabe und der Stärkung individueller Chancen im Hinblick auf eine inklusive Bildungspraxis dienlich.
Zur sprachlichen Verfasstheit sozialwissenschaftlich relevanter Gegenstände
Die fachlichen Gegenstände des sozialwissenschaftlichen Unterrichts unterliegen einer sprachlichen Eingebundenheit, etwa wenn man das Verhältnis von Politik und Sprache betrachtet. Politisches Handeln lässt sich schwerlich ohne den spezifisch intentionalen Gebrauch von Sprache erfassen und vollzieht sich im Rahmen von Prozessen politischer Kommunikation. Dabei ist politische Sprache im grundsätzlichen Sinne funktional auf eine Beeinflussung der gesellschaftlichen Realität gerichtet. Heiko Girnth hat Sprache daher im Zusammenhang mit Politik pointiert als „Bedingung ihrer Möglichkeit bezeichnet (Girnth 2010). Das „politische Sprechen ist aber keineswegs exklusiv politischen Akteurinnen und Akteuren vorbehalten. Innerhalb von demokratisch verfassten Gemeinwesen ist die sprachliche Seite der Politik eine gemeinsame Angelegenheit von allen, eine gesellschaftliche Funktion der Öffentlichkeit, die sich innerhalb von diskursiven Aushandlungsprozessen zeigt und verschiedenste Akteure und Betroffene inkludiert. Politische Sprache und politisches Sprechen prägen zugleich äußere Bilder der politischen Wirklichkeit und innere Vorstellungen über Politik (vgl. Patzelt 2015, 49). Damit ist politische Sprache nicht nur hinsichtlich eines Mediums der Vermittlung von Politik, sondern auch als Instrument der Aneignung von Politik und Demokratie fachlich relevant. In einem ähnlichen Zusammenhang kann auch der wirtschaftliche Realitäts- und Handlungsbereich als sprachlich „vermittelt aufgefasst werden. Wirtschaftssprache stellt ein komplexes Phänomen dar, fachliche Lehrwerke, Botschaften von Unternehmen und wirtschaftspolitischen Akteuren nutzen spezifische Strategien und Termini der Wirtschaftskommunikation (vgl. Moss 2009). Dabei basieren Informationen über die Wirtschaftswelt auf zum Teil implizit verbleibenden sprachlichen Voraussetzungen. Ein Beispiel: Blickt man in wirtschaftswissenschaftliche Einführungen, so kommt kaum ein Werk ohne die von Adam Smith verwendete Metapher der „invisible hand“ aus, um die effiziente Allokation von knappen Ressourcen sowie die Vorteilhaftigkeit individuellen Handelns für das Wohl von allen auf den Begriff zu bringen. Die damit verbundenen fachlichen Vorstellungen einer kollektiven Besserstellung durch individuelles Vorteilsstreben bringen einerseits einen Kern der neoklassischen Vorstellungswelt zum Ausdruck, blenden andererseits zugleich weiterführende Aspekte der Smithschen Moralphilosophie aus.
Diese am Beispiel der klassischen Wirtschaftsmetaphorik dargelegte selektive Hervorbringung und Organisation von spezifischen...

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