1. – 13. Schuljahr

Julian Wollmann

Von Hausfrauen, Mechanikern und Gärtnern

Eine unterrichtliche Analyse ausgewählter Sprachbilder zur Reflexion von Wirtschaftspolitik

Die Vermittlung wirtschaftspolitischer Vorstellungen erfolgt in der öffentlichen Auseinandersetzung zuweilen mithilfe von bildlichen Analogien. Diese helfen zwar einerseits, inhaltliche Komplexität zu reduzieren. Auf der anderen Seite jedoch können sie zu einer unsachgemäßen Verzerrung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge führen. Lernende müssen daher darin unterstützt und gefördert werden, Sprachbilder aus der Wirtschaftspolitik zu analysieren und zu beurteilen.
Die Auseinandersetzung mit der Rolle des Staates im Wirtschaftssystem stellt einen zentralen Bestandteil politischer und ökonomischer Bildung dar. Diese Rolle wird im folgenden Material didaktisch auf die Kontroverse zwischen einem zurückhaltenden und einem eingreifenden Staat reduziert. Während der zurückhaltende Staat auf die Sicherung wirtschaftlicher Dynamik und Freiheiten durch eine Rahmenordnung beschränkt ist, bildet der eingreifende Staat den Mittelpunkt des Wirtschaftssystems. Dementsprechend hat er die Aufgabe, auf Wirtschaftsprozesse einzuwirken, Ungleichheit zu bekämpfen und Sicherheit zu gewährleisten (Schlösser 2009).
Wie Sprachbilder funktionieren
Diese Wertkonflikte sind überaus komplex und für Laien kaum verständlich. In der öffentlichen Auseinandersetzung werden sie daher mithilfe bildhafter Sprache ausgetragen. So bedienen sich politische Akteure insbesondere in Situationen wie Wirtschaftskrisen möglichst einprägsamer Analogien (wie z.B. das Bild von der „schwäbischen Hausfrau ), um ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen zu etablieren (Klammer 2016). Für das vorliegende Material wurden daher drei prominente Beispiele ausgewählt, anhand derer sich die Funktion wirtschaftspolitischer Sprachbilder veranschaulichen lässt.
Zu diesen Funktionen gehört einerseits, dass Sprachbilder bedeutsame wirtschaftspolitische Aspekte ausblenden, wodurch sie sich von fachlichen Vorstellungen unterscheiden. Andererseits können sie dabei helfen, kontroverse, aber sehr komplexe wirtschaftspolitische Ideen verständlich zu illustrieren.
Analyse wirtschaftspolitischer Metaphorik
Schülerinnen und Schüler sind im Bereich der Wirtschaftspolitik häufig unbewusst den Metaphern und Analogien der Wirtschaftssprache ausgesetzt (Haack & Lutter 2017). Da die komplexen Prozesse und Strukturen der Wirtschaft nicht unmittelbar beobachtet werden können, entwickeln wirtschaftspolitische Sprachbilder eine potenzielle Wirkmächtigkeit auf das ökonomische Denken von Individuen. In der fachdidaktischen Forschung wurden bereits Erkenntnisse generiert, die zeigen, dass ökonomische „Laien zumeist auf lebensweltliche Analogien zurückgreifen, um wirtschaftliche Vorgänge und Phänomene nachvollziehbar konzeptualisieren zu können (Leiser & Shemesh 2018). Hieraus erwächst das Problem, dass lebensweltliche Vorstellungen wie die individuelle Tugend der Sparsamkeit auf die wirtschaftspolitische Ebene übertragen werden und es dadurch zu einer fachlich unangemessenen Parallelisierung kommt. Adressatenorientierter Unterricht kann an diesen Erkenntnissen ansetzen und Lernenden die Möglichkeit geben, diese Vorstellungen zu reflektieren.
Darüber hinaus besitzen Metaphern und Analogien auch einen konstruktiven Charakter, den es für Lernprozesse zu nutzen gilt. So lassen sich in der ökonomischen Ideengeschichte Vorstellungen wiederfinden, deren Vokabular aus Domänen wie der Physik und Biologie entlehnt sind und dazu dient, an bestehende menschliche Erfahrungen anzuknüpfen. Dieses Potenzial von Sprachbildern soll am exemplarischen Beispiel der wirtschaftspolitischen Ideen des Keynesianismus und des Liberalismus hayekscher Prägung verwendet werden, um Lernenden einen Einstieg in die Thematik der Wirtschaftspolitik zu ermöglichen. Gleichwohl gilt es auch hier, die Verwendbarkeit der Sprachbilder zu reflektieren...

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